Horner Internet Zeitung - www.pfleger.at​

Empfehlungen der Wehrdienstkommission: Eine Chance, die strukturellen Schwächen unserer Landesverteidigung zu beheben

Die Empfehlungen der Wehrdienstkommission darf nicht als bloße Debatte über Monate verstanden werden, sondern als Chance, endlich die strukturellen Schwächen unserer Landesverteidigung zu beheben. Österreich muss seine Sicherheitsvorsorge an aktuelle Entwicklungen anpassen. Naturkatastrophen, Blackout oder Angriffe auf kritische Infrastruktur zeigen, dass Landesverteidigung heute mehr umfasst als militärische Abwehr.

Es geht darum, staatliche Abläufe auch in Krisensituationen aufrechtzuerhalten und die Bevölkerung wirksam zu schützen.

Wer über eine Verlängerung des Wehrdienstes spricht, muss zuerst das bestehende System auf Herz und Nieren prüfen. Der Grundwehrdienst muss qualitativ überzeugen, Stehzeiten reduzieren und eine Ausbildung bieten, die im Ernstfall trägt. Die Diskussion über eine mögliche Verlängerung des Grundwehrdienstes darf somit nicht isoliert geführt werden. Entscheidend ist, ob die vorhandene Zeit effizient genutzt wird und ob die Ausbildung auf reale Anforderungen vorbereitet. Eine Verlängerung kann nur dann sinnvoll sein, wenn zuvor die Qualität verbessert, Stehzeiten reduziert und klare Ausbildungsziele definiert werden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, muss es möglich sein, ohne Denkverbote auch über eine Anpassung der Dauer zu sprechen.

„Ein zentraler Punkt ist für mich die Miliz. Zwei Drittel unseres Bundesheeres beruhen auf diesem System – gleichzeitig fehlen tausende Soldatinnen und Soldaten, die im Krisenfall erst nach Monaten einsatzbereit sind. Ohne regelmäßige Übungen bleibt Ausbildung Theorie. Deshalb führt an verpflichtenden Milizübungen kein Weg vorbei.“

Robert Laimer, Wehrsprecher der SPÖ

Ein zentraler Punkt ist für mich die Miliz. Zwei Drittel unseres Bundesheeres beruhen auf diesem System – gleichzeitig fehlen tausende Soldatinnen und Soldaten, die im Krisenfall erst nach Monaten einsatzbereit sind. Ohne regelmäßige Übungen bleibt Ausbildung Theorie. Deshalb führt an verpflichtenden Milizübungen kein Weg vorbei. Ein klar strukturierter, verpflichtender Übungsrahmen würde nicht nur die Einsatzfähigkeit erhöhen, sondern auch die Glaubwürdigkeit unserer Neutralität stärken.

Die umfassende Landesverteidigung muss zudem wieder als gesamtstaatliche Aufgabe verstanden werden. Militärische Fähigkeiten allein reichen nicht aus. Zivilschutz, Katastrophenhilfe, Infrastrukturabsicherung und gesellschaftliche Resilienz gehören untrennbar dazu. Eine moderne Sicherheitsarchitektur bedeutet, Bevölkerung, Wirtschaft und staatliche Institutionen gemeinsam krisenfest zu machen und zu schützen.

Die Wehrdienstkommission hat somit den politischen Diskurs eröffnet. Jetzt liegt es an uns, diese Empfehlungen als Auftrag zu begreifen: für eine moderne Ausbildung, eine verlässliche Miliz und eine umfassende Landesverteidigung, die ihren Namen verdient. Reformen dürfen nicht vertagt werden – sie sind eine Investition in die Sicherheit und Stabilität unseres Landes.


Bild: ZvG/Laimer

Der Autor:

Robert Laimer,
Abgeordneter zum Nationalrat

Wehrsprecher der SPÖ

Facebook
X