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Gründonnerstag – woher der Name kommt, liturgische Bedeutung und warum wir Spinat essen

  1. Der Name stammt wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen Wort „grînan“ was mit „weinen“ oder „wehklagen“ gleichgesetzt werden kann. Dieses Wehklagen bezieht sich auf das bevorstehende Leiden und Sterben Jesu, also auf den Karfreitag.
  2. Eine interessante Deutung findet man auf der Homepage des Erzbistums Paderborn, wo das „Grînan“ auf die Tränen der Büßerinnen und Büßer, die seit Aschermittwoch von der Messe ausgeschlossen waren und am Gründonnerstag wieder teilnehmen durften, hinweist.
  3. Eine dritte Theorie in Bezug auf den Namen bezieht sich auf den Verzehr von grünem Gemüse – ab dem 14. Jahrhundert ist der Brauch, am Gründonnerstag grünes Gemüse zu essen, schriftlich belegt.

Liturgische Bedeutung des Gründonnerstags

Einsetzung der Eucharistie: An diesem Tag wurde von Jesus das Sakrament der Eucharistie eingesetzt. Beim Evangelisten Lukas heißt es dazu: „Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ (Lk 22,19f)
Das Letzte Abendmahl wird so zu einem neuen Bund zwischen Gott und den Menschen. Und in der katholischen Messe werden die Worte Jesu bis heute nahezu unverändert gesprochen, wenn in Erinnerung an das Letzte Abendmahl Brot und Wein in Leib und Blut Jesu gewandelt werden.

Eucharistiefeier (Archivbild, NÖKB-Landeswallfahrt 2015, Maria Taferl) (Bild: Martin Pfleger)


Die Fußwaschung: Jesus wäscht als Zeichen der Liebe und des Dienens seinen Jüngern die Füße.

Verhaftung und Verrat: Nach dem Letzten Abendmahl (= Jesus feiert mit den Aposteln das jüdische Passahmahl, das an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten erinnert), zieht sich Jesus in den Garten Gethsemane zurück, wo er betet und später durch den Verrat von Judas verhaftet wird. Damit beginnt die Leidensgeschichte Jesu.
Von diesem Moment an schweigen die Glocken bis zur Auferstehung.
Ratscherkinder übernehmen die Funktion der Glocken.


Warum Spinat auf den Tisch kommt

Ein typisches österreichisches Gründonnerstagsessen: Spinat, Spiegelei, Geröstete und Augsburger (Bild: Josef Pfleger)

Der Spinat ist bei uns schon seit Langem das „Gründonnerstagsgemüse“, wahrscheinlich auch deswegen, weil ihm besonders viel Eisengehalt zugeschrieben wurde und er als besonders gesund gilt. Der hohe Eisengehalt ist allerdings auf einen Kommafehler* in einer Publikation zurückzuführen. Er ist nicht mehr aus den Köpfen der Leute zu bringen. An diesem Fehler wird „eisern“ festgehalten.

  • Gustav von Bunge untersuchte 1890 den Eisengehalt von Spinat und kam auf beeindruckende 35 mg pro 100 g. Es handelte sich dabei aber um getrockneten Spinat. Frischer Spinat besteht zu etwa 90 % aus Wasser, daher muss der Eisengehalt auf rund 3 mg pro 100 g korrigiert werden. An und für sich ein guter Wert für Pflanzen, aber nicht umwerfend.

JKP

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