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Karsamstag – merkwürdiger Tag, ungewöhnlich – auch liturgisch

Am Karsamstag passiert – nichts.
Vielmehr herrscht Ruhe, Grabesruhe.

Mit dieser charakteristischen Leere fällt der Karsamstag umso mehr auf, weil die Tage davor von einer dramatischen Dynamik geprägt sind, einer „Abwärtsspirale“.
So erzählen es jedenfalls die Evangelien in den jeweiligen Passionsgeschichten, die wiederum die Grundlage für die liturgische Inszenierung bilden.

Am Palmsonntag zieht Jesus – mit Hosianna – in Jerusalem ein, dann geht es Schlag auf Schlag: Tempelprotest, Lehren, Streiten, Auseinandersetzen, Endzeitpredigten (Mk 13) – bevor ein erster Höhepunkt im (letzten) gemeinsamen Mahl am Gründonnerstag erreicht ist (Mk 14).
Die Erzählung spitzt sich zu durch Verrat, Verhaftung, Verleugnung, Verurteilung  – und gipfelt im grausam-brutalen Tod am Kreuz.
Vergleichbar mit einer antiken Tragödie strebt das erzählte Geschehen unaufhaltsam seinem Höhepunkt, der ein Tiefpunkt ist, zu – stets steht das Kreuz vor Augen.
Unentrinnbar holt das Schicksal Jesus ein; atemlos drängt die Erzählung auf die Hinrichtung zu.

Und dann?

Von jetzt auf gleich stürzt die Erzählung ab, fällt in ein Loch und wir als Zuhörende (oder Lesende) gleich mit.
Mit der Grablegung heißt es: aus, vorbei, Ende.

Den Samstag danach gibt es neutestamentlich quasi nicht.
Er versteckt sich Mk 15,47 und Mk 16,1 mit dem Satz „als der Sabbat vorüber war“.
Der Karsamstag existiert als zeitliche Auslassung.
Ein merk-würdiger, weil un-erzählter Tag.
Doch genau das macht ihn in meinen Augen spannend; gerade das Verborgene, das Versteckte lockt.
Oft lohnt es sich, zwischen den Zeilen zu lesen.

An diesem Samstag passiert erzähltechnisch nichts.
Stille macht sich breit, eine depressive Stille.
Wenn man genau in diese Stille hineinlauscht, dann erzählt sie von Scheitern und Versagen, von geplatzten Träumen und enttäuschten Hoffnungen.
Zugleich mag die Pause eine wohltuende sein, zumindest für uns als Hörende (oder Lesende), unterbricht sie doch die sich dramatisch zuspitzende Ereignisspirale.
Und bietet damit Raum zum Luftholen.
Nach all der Aktion ist jetzt Sabbat, Zeit für Ruhe.
Vielleicht dringend nötig.
Man braucht nichts tun, darf nichts tun.
Das macht den Charakter des Karsamstags aus – zugleich besteht darin die Herausforderung, denn allem Aktionismus ist damit ein Riegel vorgeschoben.
Der Karsamstag ist einfach auszuhalten.
Man kann nur vor das „Hl. Grab Jesu“ (in der Horner Piaristenkirche / in der Veitskapelle des Stiftes Altenburg) treten und schweigen.
Ausharren – und vielleicht dabei einen Hauch von Neubeginn ahnen.

Der folgende Sonntag – Ostersonntag – keimt in der Pfarre Horn dann am Vorabend bald nach dem Sonnenuntergang auf:
Um 20.30 wird im Piaristengarten ein neues Feuer entzündet – von dem danach viele Kerze entflammt werden, die dann in der Georgskirche den Kirchenraum erfüllen werden und mit dem Exsultet-Gesang über das Osterlicht die Auferstehung Christi ankündigen.


(Bild: Josef Pfleger)

Der Autor:

P. Albert Groiß OSB

seit 12. März 2026 Administrator des
Benediktinerstiftes Altenburg

(davor Pfarrer in Horn und
Moderator des Pfarrverbandes im Horner Becken)

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