Anna Glechner stellt derzeit in der Pop-up Galerie im Kunsthaus Horn ihre Bilder aus. Wir baten sie um eine persönliche Darstellung ihres Zugangs zu Kunst – den übermittelten Text möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auf keinen Fall vorenthalten.
Bin ich die Ärztin, die Kunst macht, oder die Künstlerin, die Ärztin ist?
Ich bin Künstlerin und Ärztin.
In meiner Brust schlagen zwei Seelen und manchmal weiß ich selbst nicht:
Bin ich die Ärztin, die Kunst macht oder die Künstlerin, die Ärztin ist?
Es kann durchaus passieren, dass ich in der Früh male,
danach ins Gesundheitszentrum gehe und noch Farbe im Gesicht oder am Ellbogen habe.
Was nicht auf der Leinwand landet, landet auf mir.
Es braucht für mich viel Mut, diese Bilder zu zeigen.
Denn ich zeige damit auch ein Stück von mir.
Vor ein paar Tagen habe ich auf Empfehlung meiner Kunstlehrerin Insa Hoffmann den Film „The King’s Speech“ gesehen. Er erzählt die Geschichte von König George VI., der eigentlich kein König sein wollte, weil er stotterte.
Seine größte Angst war nicht das Sprechen, sondern die Angst vor dem Scheitern, die Angst vor dem Gesehenwerden.
Und ich glaube, so geht es vielen von uns und auch mir:
Wenn wir etwas erschaffen und präsentieren, machen wir uns sichtbar.
Und das braucht Mut.
Mit meinen Bildern möchte ich genau dazu einladen: Gemeinsam ein Stück aus der Komfortzone herauszugehen. Auch wenn das nicht immer leicht ist.
Es geht nicht ums perfekt sein, es geht darum den eigenen Weg zu gehen, seinen Werten treu zu bleiben.
Dabei lasse ich mich von zeitlosen Weisheiten inspirieren: aus der Bibel und aus anderen Quellen, die vom Leben erzählen.
In der Bibel gibt es Figuren, die mich sehr beeindrucken:
Sie bleiben standhaft, bleiben sich treu und gehen ihren Weg trotz Widerständen.
Zum Beispiel Daniel: Ein erfolgreicher Berater des Königs,
der aus Neid in die Löwengrube geworfen wird.
Wir fürchten nicht nur das Scheitern, sondern auch den Erfolg. Was könnten denn dann die anderen sagen?
Daniel übersteht die Nacht unversehrt und wird aus der Löwengrube gerettet, in meinem Bild kuschelt er mit dem Löwen. Er bleibt ein angesehener Vertrauter des Königs.
Diese Geschichten zeigen mir: Sich selbst treu zu bleiben lohnt sich, auch wenn der Weg manchmal unbequem ist.
Mit dieser Kunst möchte ich Menschen einen Anker geben, ihren Weg zu gehen und sich selbst und ihren Werten treu zu bleiben.
