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„Aus“ – Maria Dreieichen

Ein bisserl schräg und ganz speziell wird Karl Steinhauser seine Mikroausstellung, die am 8. Juli 2026 im Museum Horn um 18:00 Uhr eröffnet wird, gestalten. Allein schon der Titel hat es in sich: „Aus“ – ist es mit den einst bei den Wallfahrern so beliebten Standeln in Maria Dreieichen, „Aus“ – daher auch mit den speziellen Wallfahrts-Mitbringseln, die diese feilboten: Häferl, Tassen, Gläser, kitschig und deftig beschriebene Holztafeln oder die Opa-Pfeife gibt es schlichtweg nicht mehr zu kaufen.

Umso interessanter werden natürlich die von Steinhauser über die Jahrzehnte erworbenen und gesammelten Ausstellungsstücke, bei denen man allerdings genau hinschauen muss, um die speziellen Details zu erkennen.

(Alle Bilder: Josef Pfleger)

Das beginnt bereits bei den fünf Gläsern, die Karl Steinhauser hier präsentiert: Die mittleren drei sind sogenannte Bäderbecher, die eine schmal-ovale Form aufweisen, damit man sie in die Brusttasche stecken konnte. So hatte man sie in den Wandelhallen der Kurbäder jederzeit griffbereit, um Heilwasser aus den Wasserspendern trinken zu können.

In das erste Glas wurde das Dreieichen-Motiv geschliffen, das zweite und fünfte Glas sind sogenannte „böhmische Überfanggläser“: Das Motiv wurde aus dem aufgetragenen roten Lack herausgeschnitten. Glas drei und vier sind bemalt. Also: Genau hinschauen!

Bei diesen typischen Mitbringseln hat man es mit der detailgetreuen Darstellung nicht so genau genommen: Man betrachte die unterschiedlich dargestellten Türme der Kirche, über deren Spitzen die Dreieichen-Pieta gleichsam im Himmel positioniert wurde. Auch die Portraits der Pieta dürften nicht unbedingt von hochbegabten Künstlern stammen …

Jede Wallfahrt eine Tasse: Oft wurde bei jeder Wallfahrt nach Maria Dreieichen eine Tasse gekauft und mit nach Hause genommen. Diese fünf Tassen bedeuteten also fünf Wallfahrten. Die meist bemalten Andenken wurden aber nicht ihrem Zweck entsprechend verwendet, sondern wurden in oder auf eine Vitrine gestellt, um so seine Gläubigkeit zu demonstrieren.

Bei diesen Ausstellungsstücken braucht man ein besonderes Wissen: Auf den Häferln ist nicht nur die Kirche zu sehen, sondern auch der Anschnitt eines Hauses: Es war dies die erste Adresse, wenn man in Dreieichen einkehrte oder übernachtete – das weithin bekannte Gasthaus Kordyna. Auf diese Weise konnte man ein bisschen seinen Wohlstand präsentieren …

Diese Bitsche – auf Hochdeutsch „ein übergroßes Gefäß für Flüssigkeiten wie Tee oder Milch“ -, wird auch zu sehen sein. Eine solche besaß auch die heißgeliebte Tante Emilie des Autors, in die sie ihren Salbeitee zum Gurgeln füllte.
Warum es bei Halsweh unbedingt dieses Häferl sein musste, war für sie sternenklar: Eine Medizin aus der „heiligen Bitsch’n“ wirkt einfach besser!

Kitsch und Deftiges

Zwar nicht in der Ausstellung zu sehen – aber bei Karl Steinhauser entdeckt – sind die „speziell“ beschrifteten Holztafeln, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

Mit solchen Holztäfelchen verdienten die Standler richtig gut. Kitsch ging genauso oft über den Budeltisch …

… wie diese beiden Holztafeln mit deftigen Sprüchen.

Solche fand man oft in Dorfwirtshäusern bei der Schank. Gespräche inklusive ebenso deftiger Sprüche waren damit schnell angebahnt und sorgten für mehr Umsatz. „Du brauchst mindestens vier Achtel, du bis ja ka alte Schachtel“, hörte man da nicht selten vom Wirt.

Und schließlich ist da noch die Tabakpfeife, ein besonders oft gekauftes Mitbringsel für Opa und die älteren Semester.
Stellt sich abschließend nur die Frage, ob der Rauch aus einer „heiligen Pfeife“ genauso gesund war wie der Salbeitee aus der „heiligen Bitsch’n“ …

Also: Hingehen, genau schauen – dann ist sicher Schmunzeln angesagt.

Josef Pfleger

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