Horner Internet Zeitung - www.pfleger.at​

Franz von Assisi – 800 Jahre und sein Auftrag an uns heute

Vor 800 Jahren, im Jahr 1226, starb Franz von Assisi. Sein Leben und seine Botschaft haben bis heute nichts an Aktualität verloren. Besonders sein inniges Verhältnis zur Schöpfung macht ihn zu einem wichtigen Begleiter für unsere Zeit.

Franziskus wurde um 1181/82 als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers in Assisi geboren. Er führte zunächst ein unbeschwertes Leben und träumte von Ruhm und gesellschaftlichem Ansehen. Eine schwere Krankheit und prägende Begegnungen führten zu einem tiefen Wandel. Er wandte sich den Armen und Ausgegrenzten zu, verzichtete auf seinen Wohlstand und stellte sein Leben ganz in die Nachfolge Jesu.

Statue des hl. Franz von Assisi in der Kathedrale von Malaga (Bild: © Josef Pfleger)

Gemeinsam mit seinen Gefährten lebte Franziskus in Einfachheit und großer Verbundenheit mit Mensch und Natur. Für ihn war die Schöpfung nicht bloß eine Ansammlung von Dingen, die dem Menschen zur Verfügung stehen. In ihr begegnete er dem Schöpfer. Sonne, Mond, Wasser, Feuer, Tiere und die Erde wurden für ihn zu Geschwistern. Besonders deutlich wird dies im berühmten „Sonnengesang“, in dem Franziskus Gott für die Schönheit und Vielfalt seiner Schöpfung lobt.

Darin liegt eine Botschaft, die uns gerade heute herausfordert. Die Schöpfung ist uns nicht einfach zur Ausbeutung überlassen. Sie ist Geschenk und zugleich Aufgabe. Unser Lebensstil hat Auswirkungen auf andere Menschen, auf Tiere, auf die Natur und auf kommende Generationen. Franziskus erinnert uns daran, dass ein gutes Leben nicht darin besteht, immer mehr zu besitzen, sondern dankbar, genügsam und achtsam zu leben.

Sein Auftrag an uns heute könnte deshalb heißen: Bewahren, was uns anvertraut ist. Das beginnt im Kleinen – beim bewussten Umgang mit Lebensmitteln, Energie und Wasser, bei der Achtung vor jedem Lebewesen und in einem Lebensstil, der nicht auf Kosten anderer geht. Es bedeutet aber auch, gemeinsam Verantwortung für unsere Welt zu übernehmen und dort für Gerechtigkeit einzutreten, wo Menschen und Natur ausgebeutet werden.

800 Jahre nach seinem Tod lädt Franz von Assisi uns ein, die Welt wieder mit staunenden Augen zu betrachten: als Schöpfung, die uns nicht gehört, sondern anvertraut ist. Sein Leben zeigt, dass Schöpfungsverantwortung nicht zuerst eine Frage großer Worte ist. Sie beginnt mit einer Haltung des Dankens, der Einfachheit und der Liebe – und wird dort konkret, wo wir bereit sind, unser eigenes Handeln zu verändern.

P. Clemens Hainzl OSB

Facebook
X