„Möchten Sie, dass jemand vom Kriseninterventionsteam zu Ihnen kommt?“ Eine einfache Frage für die Rettungskräfte, aber für Menschen, deren Welt gerade aus den Fugen geraten ist, manchmal gar nicht so leicht zu beantworten. Viele zögern. Sie wollen niemandem zur Last fallen, glauben, selbst zurechtkommen zu müssen, oder denken: „Andere sind viel schlimmer betroffen als ich.“
Dabei darf die Antwort ganz einfach „Ja“ lauten.

Nach einem schweren Unfall, einem plötzlichen Todesfall oder einem anderen traumatisierenden Ereignis kann vieles gleichzeitig passieren: Schock, Fassungslosigkeit, Angst, Orientierungslosigkeit. Das sind mögliche normale Reaktionen auf eine außergewöhnliche Situation. Niemand muss in diesem Moment beweisen, dass er alleine damit zurechtkommt.
Genau dafür gibt es die Krisenintervention des Roten Kreuzes. Sie setzen dort an, wo der Rettungseinsatz endet. Speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen unmittelbar nach einem belastenden Ereignis zu den Betroffenen. Sie sind da, hören zu, geben Halt und helfen dabei, die ersten schwierigen Stunden zu bewältigen.
Die Kernarbeit der Krisenintervention liegt dort, wo ein Ereignis Menschen plötzlich und unmittelbar erschüttert. Es geht nicht darum, eine langfristige Therapie zu ersetzen oder eine Situation zu beurteilen. Es geht um Akuthilfe nach einem Rettungseinsatz – darum, Menschen in einem Moment beizustehen, in dem der Boden unter den Füßen fehlt.
Das Angebot ist kostenlos, vertraulich und für alle Menschen da. Es gibt kein „zu klein“ für Hilfe. Die eigene Belastung muss nicht mit jener anderer Menschen verglichen werden. Jeder Mensch reagiert anders auf traumatisierende Ereignisse – und jeder darf Unterstützung annehmen.
Psychische Erste Hilfe ist dabei nicht weniger wichtig als die Versorgung einer körperlichen Verletzung. Manchmal braucht es jemanden, der bleibt, zuhört und Orientierung gibt, bis die erste Welle der Belastung vorübergeht.
Wenn Einsatzkräfte nach einem traumatisierenden Ereignis fragen, ob Unterstützung durch das Kriseninterventionsteam gewünscht wird, ist dieses Angebot genau dafür da. Es anzunehmen ist keine Schwäche und keine Belastung für andere. Es ist Hilfe – unmittelbar, kostenlos und genau dann, wenn sie gebraucht wird.
Es gibt kein „zu klein“ für Hilfe. Und auf die Frage des Rettungsdienstes: „Möchten Sie, dass jemand kommt?“, darf die Antwort „Ja“ sein.