Horner Internet Zeitung - www.pfleger.at​

„Der Stadt der Toten eine Stimme geben“ …

…. so könnte man die Friedhofsführungen von Wolfgang Andraschek durchaus betiteln. Am 2. November 2026 ist es wieder soweit, um 14 Uhr ist Treffpunkt bei der Friedhofsstiege beim Pfadfinderheim Horn.

Wir haben Wolfgang Andraschek gebeten, uns ein paar Gräber, die er bei seiner Führung vorstellt, zu zeigen. Hier eine kleine Auswahl:

(Alle Bilder: Josef Pfleger)

Das großartige Art-Deco-Relief auf dem Grab von Wenzel Steinfest stammt vom akademischen Bildhauer Matthias Bechtold (1866-1940). Steinfest gehörte auch der gleichnamige Keller in der Frauenhofnerstraße.
In diesem Grab ruht auch der ehemalige Horner Gymnasialdirektor und Landtagsabgeordnete Engelbert Lenz, der wegen seines Verhältnisses mit einer Schülerin aus dem Schuldienst entlassen wurde.

Zum Vergrößern der folgenden Bilder klicken Sie einfach auf diese.

Ernst Wilhelm Gottlieb Plaetschke war der letzte „Bader“ (= Wundarzt) und einer der ersten Impfärzte in Horn. Er ordinierte in der Florianigasse 1. Sein Ehrengrab präsentiert sich als zeittypisches Sandstein-Grabdenkmal mit Portraitrelief und Girlanden.

Exzellenz Arthur Nowak war Berufsoffizier und zog nach seiner Pensionierung 1919 mit seiner Gattin Percy in die Villa in der Frauenhofnerstraße 8. Seine aus 250 Objekten bestehende Antikensammlung schenkte seine Gattin dem Horner Museum. Sie ist dort als Dauerausstellung zu sehen.

Der Horner Regimentskommandant Oberst Eduard Graf Walderdorff war eine weithin bekannte Persönlichkeit, die für ihre Wutausbrüche bekannt war. Einige Schmankerl aus seiner Dienstzeit erfahren Sie bei der Führung. Nach ihm ist auch eine Straße in Horn benannt.

Ebenfalls Namensgeber einer Straße ist der ehemalige Horner Vizebürgermeister Ferdinand Graf. Er war Leiter des Horner Elektrizitätswerkes.
Bemerkenswert ist sein Grabstein mit charakteristischer Jugendstilornamentik.

Das wohl schönste Grabmal im Horner Friedhof – derzeit leider vom Efeu verdeckt – ist für Wolfgang Andraschek das von Robert Kaltenbrunner, einem akademische Bildhauer. Sowohl die Marmorbüste (seiner Geliebten?) als auch ein Christusmedaillon (ebenfalls vom Efeu verdeckt, daher eingefügt) stammen von ihm. Er wohnte im Karglhof.

In einem (bescheidenen) Ehrengrab der Stadt ruht Josef Höbarth, der Gründer und Namensgeber des Horner Museums. 1954 wurde eine Straße nach ihm benannt. Andraschek wird beim Rundgang auch über Höbarth ausführlich berichten.

Die Schauspielerin Elfriede Datzik-Hehn ist durch ihre Rollen an der Seite von Hans Moser bekannt geworden. Bekannte Filme mit ihr sind etwa „Die unruhigen Mädchen“, „Die falsche Braut“, „Dreimal Hochzeit“ oder „Hotel Sacher“. Sie war die Tochter des Horner Molkereidirektors Viktor Datzik.

Und schließlich gibt es noch ein Grab zu sehen, das eigentlich keines ist: Der Grabstein wurde anlässlich der Dreharbeiten zum Film „Fallen“ von Barbara Albert vor rund 20 Jahren aufgestellt und ist bis heute erhalten. In diesem Film spielen Nina Proll, Birgit Minichmayr, Gabriele Hegedüs, Ursula Strauss und Kathrin Resetarits die Rollen der fünf Damen, die sich anlässlich des Begräbnisses ihres ehemaligen Physikprofessors Michael Faichtinger in Horn treffen.
Und noch ein Schmankerl dazu: Der Rechtschreibfehler auf dem Grabstein – „Kämpfener“ statt „Kämpfender“ ist kaum zu überlesen.

Hier noch ein herzliches Danke an Wolfgang Andraschek für die Informationen und die Portraitfotos, die er uns übermittelt hat.

Für die Führung ist keine Anmeldung notwendig, der Kostenbeitrag für den Museumsverein in Horn beträgt 4,– Euro.

JKP

Facebook
X